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   STITUTION

Vergewaltigung ist ein Verbrechen. Immer.
Durch das Bezahlen wird eine Vergewaltigte nicht zu einer
Prostituierten, sie bleibt eine Vergewaltigte. Durch das Bezahlen
wird ein Vergewaltiger nicht zum Freier, er bleibt ein Verbrecher.

Zuallererst:
Bitte keine Aufregung, keine Entrüstung. “Wie kann man nur Tantra und Menschenhandel in einen Topf schmeißen” oder so. Diese Seite will nicht provozieren, nichts beschönigen, sondern den Blickwinkel erweitern, Verborgenes sichtbar machen, Schweigenden Stimme geben.

Warum es diese Seite gibt und warum nicht
Aktuell (September 2020) gibt es in Deutschland zwei sehr aktive Strömungen: die eine will unter dem Motto #rotlichtAN oder “Grünes Licht für Rotlicht!” erreichen, dass die wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Bordelle wieder geöffnet werden, weil die betreffenden Damen dringend auf die gewohnten Einnahmen angewiesen sind – die andere will Prostitution komplett abschaffen und das aus Schweden bekannte Nordische Modell einführen.
Das Nordische Modell hat ja eigentlich ein lobenswertes Hauptziel: Zwangsprostitution und alle damit zusammen hängenden Verbrechen zu bekämpfen, Ausbeutung durch Zuhälter etc. Leider konzentriert sich unter dem Begriff “Abolitionismus” der Blick von Aktivistinnen wie Alice Schwarzer oder Huschke Mau allein auf diesen einen Teilbereich bzw. sie verschwurbeln andere Teilbereiche mit Hilfe irgendwelcher Männergewalt-Theorien in den Bereich “Zwangsprostitution” mit hinein oder schweigen sie einfach tot.
Vertreter/innen von extremen, undifferenzierten Ansichten dürfen bei dieser Debatte nicht die alleinige Meinungs-, Definitions- und Interpretationshoheit innehaben. Deshalb hält es diese Seite für dringend geboten, auch die anderen Teilbereiche der Prostitution neutral zu thematisieren.
Und gerade wegen dieser anderen Teilbereiche der Prostitution will sich diese Seite nicht bedingungslos der Aktion #rotlichtAN anschließen, denn da hieße ja, auch die negativen Zustände in den Rotlichtvierteln zu unterstützen – und nicht zuletzt die Situation außerhalb der Rotlichtviertel zu vernachlässigen, um die es hier ja gerade gehen soll.
Salomé Balthus hält übrigens das Wort “Zwangsprostituierte” für eine feministische Irreführung. Eine Frau, die gegen ihren Willen Sex haben muss, ist keine Prostituierte, sondern eine Vergewaltigte. Prostitution kann NUR freiwillig geschehen.

Worum geht’s – was ist Prostitution?
Der Gesetzgeber definiert im Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG):
  § 2 Begriffsbestimmungen
    (1) Eine sexuelle Dienstleistung ist eine sexuelle Handlung (…) oder das Zulassen einer sexuellen Handlung an oder vor der eigenen Person gegen Entgelt.
    (2) Prostituierte sind Personen, die sexuelle Dienstleistungen erbringen.
Nach dieser Definition gehören auch Tantra-Massagen zur Prostitution, da hierbei oft auch der Intimbereich massiert wird und somit definitiv sexuelle Handlungen verkauft werden. Ob das Geld jetzt eine Vergütung für die Massage darstellt oder ob damit lediglich die Unkosten (Schulungen, Miete der Räumlichkeiten, Unterhalt der Ausstattung etc.) beglichen werden, spielt dabei keine Rolle. Fakt ist, dass auch Tantra-Masseurinen und -Masseure dem Prostituiertenschutzgesetz und somit den Anmelde- und Beratungspflichten unterliegen.
Dass Tantra-Massagen unter Prostitution eingeordnet werden, wird höchst unterschiedlich gesehen.
Der tmv (tantramassage verband e.V.) hat dazu ausführlich Stellung genommen und bezieht sich dabei auf das Urteil des VG Gelsenkirchen, das einen Unterschied darin sieht, ob die sexuellen Handlungen einen Schwerpunkt bilden wie in einem Bordell oder lediglich am Rande geschehen wie bei einer Tantramassage. Der tmv sieht die Tantramassage deshalb eindeutig im Bereich von sexueller Gesundheit und Wellness angesiedelt anstatt im Bereich der Prostitution.
Ob Huschke Mau das allerdings auch so sieht, muss bezweifelt werden. In ihren Augen ist selbst ein Handjob ekelhaft, jede Sexarbeiterin müsse sich dazu überwinden, und das käme praktisch einer Vergewaltigung gleich, behauptet sie.

Was wollen die Abolitionistinnen?
Mit zwei Wörtern gesagt: zu viel. Allein schon der Begriff “Abolitionismus” ist eine ziemliche Anmaßung. Er steht eigentlich für die Sklavenbefreiung in den USA, die sogar Anlass zum Bürgerkrieg wurde.
Während man aber sicherlich davon ausgehen kann, dass kein einziger Afrikaner freiwillig an Bord der Sklavenhändlerschiffe gegangen ist, weil er gern in den USA Baumwolle pflücken wollte, ist ebenso sicher, dass ein gewisser Teil der Sexarbeiterinnen sehr wohl freiwillig und selbstbestimmt sexuelle Handlungen verkauft. Die Frage ist nur, wie groß dieser Anteil ist, denn die Dunkelziffern sind groß und praktisch überhaupt nicht abzuschätzen.
Huschke Mau macht sich das einfach. Auch wenn ihr Blog über Freier und was sie denken auf den ersten Blick halbwegs differenziert daher kommt, so sind die Ergebnisse doch sehr eindeutig. Sie definiert kurzerhand “Prostitution ist die Folge von Gewalt gegen Frauen, ist selbst Gewalt gegen Frauen und ist Ursache von Gewalt gegen Frauen”, und alle plappern es ihr nach. Wehe, man wagt es, dagegen zu argumentieren, zum Beispiel dass Prostitution doch auch zwischen Männern (Stricher) oder zwischen Frauen (Yoni-Massage) stattfindet oder dass Frauen Männer für Sex bezahlen, kommen sofort persönliche Angriffe und Beschimpfungen zurück anstelle eines sachlichen Gedankenaustausches. Schwarzweißmalerei ist bequem, gewollt und Konzept.
Da Prostitution nach Ansicht von Huschke Mau grundsätzlich immer mit Gewalt zusammen hängt, braucht auch gar nicht differenziert zu werden, ob es sich im Einzelfall tatsächlich um Sexverkauf unter brutaler Zuhälterei handelt oder nicht – Huschke Mau definiert einfach, dass selbst hochklassige Edel-Escorts sich bei jedem Date aufs neue von ihren Kunden verachten und vergewaltigen lassen, und daraus folgt, dass selbstverständlich auch die Prostituierten dieses Sektors aus ihrer Sklaverei in den Klauen des Patriarchats befreit werden müssen, weil es besser für ihr Seelenheil ist, Punkt.
Abhilfe soll das Nordische Modell schaffen, das so heißt, weil es zuerst in Schweden eingeführt wurde. Es läuft darauf hinaus, dass die Freier kriminalisiert werden, das heißt, sie werden unter Strafandrohung gezwungen, Sexarbeiterinnen zu boykottieren, während diese so genannte “Ausstiegshilfen” erhalten sollen.
Will man auf historische Begriffe zurück greifen, passt der Begriff “Prohibition” eigentlich viel besser als “Abolitionismus”. Das Gesetz, das zwischen 1920 und 1933 Herstellung, Import und Verkauf von Alkohol in den USA verbot, ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine starke Gruppe von Meinungsmachern eine Gesetzgebung in falsche Bahnen lenken kann, wobei anfangs nicht bedachte oder klein geredete negative Auswirkungen die positiven übertreffen.
Mit anderen Worten: wenn die selbst ernannten “Abolitionistinnen” tatsächlich irgend eine Beziehung zur Geschichte der USA hätten, dann höchstens in dem Fall, wenn damals die Sklavenbefreiung durch ein Verbot des Anpflanzens von Baumwolle erreicht worden wäre.

Wer sind die Abolitionistinnen?
Zwei Namen wurden bereits genannt, und diese genügen eigentlich auch:

Alice Schwarzer, Herausgeberin der Frauenzeitschrift “Emma” und Deutschlands führende Emanze. Während sie sich in den 1970-er Jahren noch sehr lobenswert für Gleichberechtigung und Unabhängigkeit der Frauen einsetzte (Recht auf Abtreibung, Gleichberechtigung im Beruf, gegen Zwangsverschleierung durch religiösen Fundamentalismus), geht ihr Kampf gegen die Prostitution eher in die Gegenrichtung: das Nordische Modell entmündigt und bevormundet Frauen nicht weniger als der religiöse Fundamentalismus, zweifelt ihr Entscheidungsfähigkeit an und schränkt ihre freie Berufswahl ein.
Nebenbei: Emanzipation ist eine wichtige Sache, denn jede Frau, die selbstbewusst aus ihrer angestammten Rolle ausbricht und ihre Selbstverwirklichung in etwas anderem findet als im Kinderkriegen, ist ein Beitrag zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums – ein Beispiel dafür, dass Emanzipation auch ohne Männerhass geht.
Huschke Mau (Pseudonym) hat 10 Jahre als Sexarbeiterin gearbeitet und dabei das Feindbild “Freier” aufgebaut. Man beobachtet so etwas oft: wenn Person A die Person B erst mal “auf dem Kieker” hat, dann kann Person B machen, was sie will, Person A wird alles möglichst negativ interpretieren. Da kann sich Person A richtig hinein steigern. Das geht so weit, dass Huschke Mau sogar ihre frühere Arbeit als Domina negativ sieht, weil sie Fantasien von Männern befriedigen musste, die sie widerlich fand. Hallo??? Ein Sklave, der es wagt, Wünsche zu äußern? Eine Domina, die etwas muss? Da lief aber etwas mächtig verkehrt. Eine wirkliche Domina beschrieb mal genüsslich in ihrem Blog, wie einer ihrer Sklaven ihr zufällig auf einem öffentlichen Parkplatz über den Weg lief und sich ohne zu zögern vor ihr auf den Boden warf. So etwas hat Huschke Mau sicherlich nie kennengelernt – wie so vieles nicht. Sie wurde von allen ihren Freiern verachtet, entwürdigt und vergewaltigt. Klingt irgendwie… bestenfalls nach Telepathie, schlimmstenfalls nach Paranoia. Jedenfalls hat sie mindestens 9,5 Jahre zu spät aufgehört, sehr bedauerlich.
Huschke Mau verdreht hin und wieder Tatsachen, möglicherweise auch unabsichtlich. Zum Beispiel meint sie, der Drogenstrich existiere, weil die Prostituierten ihre Arbeit vor Ekel gar nicht ohne Drogen ertragen würden. Glaubt sie das wirklich selbst, dass eine Prostituierte einen Großteil ihrer Einnahmen für Drogen ausgibt, die ihr die Arbeit erträglich machen, mit der sie das Geld für just diese Drogen verdient – die Arbeit, die sie folglich gar nicht in diesem Umfang machen müssten, wenn sie keine Drogen nehmen würden? Nein, umgekehrt erscheint es viel logischer: die Frau braucht deshalb Drogen, weil sie schwer abhängig ist, und Prostitution ist nun mal die schnellste Möglichkeit, um das Geld für den ersehnten nächsten Schuss zu verdienen (was natürlich nicht ausschließen soll, dass sie bei der Arbeit Ekel empfindet).

Dunkelziffern über Dunkelziffern
Bei der ganzen Diskussion über Prostitution werden gern Zahlen genannt, um zu untermauern, dass man für die Mehrheit der Betroffenen spricht. Dunkelziffern werden dabei gern ausgeblendet, als ob es sie nicht gäbe – und zwar auf beiden Seiten.
So zitiert die Prostituiertenselbsthilfeorganisation “Doña Carmen e.V.” (von Abolitionistinnen “Zuhälterorganisation” genannt) einen Bericht aus Karlsruhe vom August 2018, in dem erwähnt wird, dass in 665 Beratungsgesprächen nur eine einzige Frau um Hilfe gegen Zwang zur Prostitution gebeten hatte. Daraus wird der kühne Schluss gezogen, dass es praktisch keine Zwangsprostitution gäbe. Dabei sollte eigentlich klar sein, dass keine Frau jemals berichten würde, dass ihr gedroht wird, ihrem Kind oder ihrer Familie zu Hause in Rumänien würde etwas zustoßen, wenn sie Probleme macht. Womit wir schon mal eine gewisse Dunkelziffer erwähnt hätten: Das Bundeskriminalamt zählt jährlich etwa 500 Fälle von Straftaten im Zusammenhang mit Zwangsprostitution, die Dunkelziffer wird auf das zwei- bis dreifache geschätzt oder noch höher.
Ungleich höher und überhaupt nicht abzuschätzen ist jedoch die Dunkelziffer der “Schwarzarbeiterinnen”: Frauen, die neben ihrem Studium oder Beruf sozusagen als Hobby hin und wieder etwas hinzuverdienen. In aller Heimlichkeit, denn weder ihre Familie (die dem braven Töchterlein so etwas nie und nimmer zutrauen würde) noch irgend eine Behörde darf etwas davon wissen, und versteuert werden die Einnahmen natürlich auch nicht. Viele dieser Frauen bieten ihre Dienste auf einschlägigen Internetseiten an, meist mit ein paar Fotos, auf denen das Gesicht nicht zu erkennen ist, und treffen sich mit ihren Kunden in deren Wohnung oder im Hotel. Andere Frauen sind vermutlich nur über Mund-zu-Mund-Propaganda zu kontaktieren.
Unter den einschlägigen Internetseiten dürften drei an oberster Stelle stehen:
ladies.de kostet Geld und wird deshalb hauptsächlich von Professionellen genutzt
kaufmich.com ist gratis und bietet Kontakt zu Professionellen wie auch zu Hobbyprostituierten
gesext.de ist ein Plattform ähnlich wie Ebay, wo Frauen und Männer Treffen, Kamerasessions, getragene Unterwäsche etc. ersteigern oder zum Festpreis kaufen können. Hier findet man überwiegend Hobbysexworkerinnen.
Dieser große Bereich der “unsichtbaren” Prostitution kommt in Untersuchungen logischerweise nicht vor. Bei Aussagen wie “von 72 befragten Prostituierten wurden 46% bereits mehrfach vergewaltigt” kann man sicher sein, dass dort ausschließlich Sexworkerinnen in Rotlichtvierteln befragt wurden, denn die “Unsichtbaren” sind für die Interviewer natürlich unerreichbar. Die Zahl der Gelegenheitssexworkerinnen, die nach einer Vergewaltigung ihr Hobby sofort aufgeben würden, wird in solchen einseitigen und verzerrten Statistiken nicht berücksichtigt.

Sitte und Moral, Anstand und Würde
Prostituierte sind laut Huschke Mau Frauen, die täglich sich selbst, ihren Körper, ihre Seele, ihre Würde und sonstwas verkaufen. Wirklich?
Bei einem Kauf geht eine Ware in das Eigentum des Käufers über. Das hieße, der Freier käme mit der über seine Schultern gelegten Prostituierten aus dem Bordell und fährt seinen Einkauf nach Hause… nein, lassen wir solche Scherze, das Thema ist zu ernst.
Von einem Kauf kann also nicht die Rede sein (auch wenn eine der oben genannten Seiten “kaufmich” heißt). Höchstens von einer Miete. Aber was ist dabei? Fast jeder von uns vermietet Körperteile gegen Geld: die Sekretärin ihre Finger, der Fußballspieler seine Beine, der Ingenieur sein Gehirn usw. Das ist alles gesellschaftlich akzeptiert, außer wenn es sich bei dem vermieteten Körperteil um die Vagina handelt. Das ist gesellschaftlich tabuisiert. Ja, immer noch, selbst 50 Jahre nach der Sexuellen Revolution wird daran festgehalten…
Möglicherweise konstruieren die Abolitionistinnen ihre Ablehnung der Prostitution nicht auf dem Boden verstaubter Moralkorsetts, sondern allein daraus, dass sie allen Freiern unterstellen, sie würden Prostituierte verachten. Es fragt sich jedoch, wie weit das, was Huschke Mau beobachtet hat, überhaupt zu verallgemeinern ist.
Auf der Seite kaufmich.com gibt es in der Tat zahlreiche Blogs von Sexworkerinnen, die sich über mangelnden Respekt bei der Kontaktaufnahme beklagen, weil da so viele Einzeiler (“jetzt sofort Zeit?”) kommen. Aber keine der Damen fühlt sich gezwungen, auf solch eine primitive Frage zu antworten und ein Treffen zu vereinbaren, das wäre für jede unter ihrer Würde. Sie warten einfach, bis jemand eine vernünftig formulierte und respektvolle Anfrage schreibt, der hat dann auch eine Chance auf ein Treffen. “Wer fi… will, muss freundlich sein” ist eine oft genannte Devise. Eine Dame erzählte mal von einem Mann, der gleich nach dem Öffnen der Tür anfing, ihre Brüste zu betatschen – und den sie umgehend wieder rausgeschmissen hat. So muss das sein, auch eine Sexworkerin kann und sollte ihre Würde behalten, Huschke Mau!
Auch die Sexworkerin, die in diesem Interview zu Wort kommt, schildert ihre Arbeit ganz anders, als Huschke Mau sie erlebt hat.

Die große weite Welt außerhalb der Rotlichtviertel…
… ist voll von Frauen, die ihre Würde behalten. Und Frauen, die keinen Sex verkaufen möchten, müssen das normalerweise auch nicht tun. Das muss nicht gleich Tantra sein, es gibt ja auch zahllose Salons für erotische Massagen, das heißt, die Masseurin ist in der Regel nackt, und die Massage endet mit einem Handjob. Alles, was darüber hinaus geht, ist ausgeschlossen und kann nicht verlangt werden, auch wenn es einige Masseurinnen gibt, die inoffiziell hinter der vorgehaltenen Hand zusätzliche Dienste gegen Extrageld anbieten.
Dann gibt es den riesigen Bereich von Domina-Studios und BDSM. Huschke Mau weiß natürlich mal wieder ganz genau, dass alle Dominas sich nur am Patriarchat rächen wollen. Die Dominas selbst wissen das allerdings nicht, sie haben einfach Spaß daran, Männer nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen. Und die Männer? Wer weiß das schon. Manche sind vielleicht masochistisch veranlagt, andere wollen sich selbst beweisen, dass sie imstande sind, alles mögliche zu ertragen. Es gibt irgendwo einen Blog, in dem Sklaven mit ihren Narben prahlen, die davon stammen, dass ihre Domina eine Zigarette auf ihrem “besten Stück” ausgedrückt hat. Wieder andere sind Geschäftsführer, die durch ihre hohe berufliche Verantwortung gestresst sind und es genießen, als Sklave alles loszulassen und einfach nur gehorchen zu müssen.
Die unüberschaubare Menge der Hobbysexworkerinnen wurde oben schon erwähnt. Auch diese haben die Freiheit, genau das anzubieten, was sie anbieten möchten, und alles andere ist dann eben tabu. Natürlich hat auch dieser Bereich seine Schattenseiten: junge Frauen, die sich verschuldet haben und es einfach nur bequemer finden, für 150 Euro eine Stunde lang sexuelle Handlungen zu verkaufen anstatt zehn Stunden zu putzen – und Männer, die versuchen, die gesetzten Tabugrenzen zu überschreiten. Andere Frauen finanzieren ihr Studium (ja, auch wenn einige von ihnen dies nur behaupten) oder Dinge, die sie sich sonst nicht leisten könnten: Urlaub oder die Mietsicherheit für eine neue Wohnung. Wer möchte sich anmaßen, darüber zu urteilen und zu bestimmen, was für diese Damen das beste wäre? Hobbyprostituierte haben schließlich auch die Freiheit, jederzeit selbst zu entscheiden, ob sie ihr Hobby aufgrund schlechter Erfahrungen aufgeben oder weiter betreiben.
Eine unüberschaubare Menge? Oh ja! Die Edelprostituierte Salomé Balthus schreibt in ihrem Blog (leicht gekürzt): Sie sitzen neben Prostituierten in der U-Bahn, stehen mit ihnen an der Supermarktkasse, sitzen im Theater neben Prostituierten. Nur dass es uns in keinster Weise anzusehen ist. Bei jeder Frau, egal, wie hübsch, wie jung, wie gut gekleidet, dürfen Sie sich heute fragen, ob sie einen Nebenjob als Prostituierte hat. Wir sind unsichtbar, für den Uneingeweihten. Aber wir sind da, und wir sind viele, viele, viele! Prostitution ist ein Massenphänomen, und zieht sich durch die ganze Gesellschaft.” Diese Realität wahrzunehmen und Prostitution als ganz normalen Beruf bzw. ganz normales Hobby anzuerkennen, würde auf Dauer viel mehr gegen Diskriminierung und Verachtung von Sexworkerinnen bewirken als ein komplettes Verbot der Prostitution.
Ja, zu der Prostitution außerhalb der Rotlichtviertel gehört auch die Edelprostitution. Frauen wie Salomé Balthus verlangen 3.000 Euro für eine Nacht, und es gibt Männer, die diese Summe bezahlen – und obendrein noch ein Dinner im Nobelrestaurant und eine Suite im 5-Sterne-Hotel. Und warum tun diese Männer das? Weil sie die Sexarbeiterinnen verachten, versucht Huschke Mau zu erklären. Oh wie logisch…
Und zu guter Letzt noch ein ganz spezieller Beruf: Sexualbegleitung. Es geht dabei vor allem (aber nicht ausschließlich) um Behinderte, denen ein Zugang zu körperlicher Nähe und Sexualität geboten wird. Die FAQ-Seite der Initiative SexualBegleitung erklärt genauer, wie sich dieser Beruf definiert und abgrenzt. Außerdem gibt es dort interessante und unaufgeregte Statements zu den Themen “Prostitution”, “Recht auf Sexualität” oder “Sex auf Krankenschein”.

Warum Männer Frauen bezahlen und warum Frauen Geld nehmen
Huschke Mau weiß es ganz genau: der Frau wird der Körper und die Würde abgekauft. Punkt, fertig.
Die Ex-Prostituierte “Simone” sagt jedoch in einem Interview mit dem “Krautreporter”: “es gibt so viele Prostitutionen wie es Prostituierte gibt. Es ist vollkommen unmöglich, eine saubere Grenze zwischen Prostitution und Nicht-Prostitution festzuziehen, bei zwei Prostituierten exakt dasselbe Erleben festzustellen. Und zwei Männer sind auch nie gleich.” Wie unterschiedlich die Einstellungen sind, sieht man allein schon daran, dass manche Frauen Bezeichnungen wie “Nutte” oder “Hure” ablehnen und “Sexdienstleisterin” bevorzugen, während andere sagen “ich bin eine Hure und stolz darauf”. Das folgende kann deshalb nur exemplarisch gelten.
Warum nehmen Frauen das Geld wirklich?
Ohne Frage auch, um ihre Drogen und/oder ihre Zuhälter zu bezahlen. Und ganz sicher auch, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, ihre Familie zu Hause in Rumänien zu unterstützen, um für ihren Lebensabend vorzusorgen oder um Schulden abzubezahlen. Aber auch aus vielen anderen Gründen.
• Eine Frau schreibt: ich will nur meinen Spaß, und ich nehme nur 99 Euro pro Stunde, wobei der größte Teil davon in das Zimmer fließt, das ich für jedes Treffen anmiete.
• Eine andere Frau bietet Massagen an, wobei ihr großes Vergnügen “slow teasing” ist. Für ein Treffen, das sich über mehrere Stunden hinziehen kann, nimmt sie 80 Euro – beim ersten Mal. Ist sie zufrieden mit dem Treffen, nimmt sie bei weiteren Treffen gar nichts mehr und bittet den Mann, 80 Euro für wohltätige Zwecke zu spenden.
• Viele sagen klipp und klar, dass sie eine Dienstleistung verkaufen. Diese Einstellung findet man vor allem bei Frauen, die nur Massagen anbieten und keinen Verkehr.
• Viele behaupten, sie verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen, und bei einem gewissen Teil stimmt das auch. Wie groß dieser Anteil ist, kann nur ein Hellseher wissen.
• Manche betrachten das Geld vor allem als Zeichen der Wertschätzung des Kunden ihnen gegenüber.
• Manche lassen sich nicht die Dienstleistung bezahlen, sondern den Zeitaufwand.
• Manche sagen: ich habe so viel Spaß dabei, ich nehme das Geld nur, um Abstand zwischen dem Kunden und mir zu schaffen, als Abgrenzung zum Privatleben.
• Manche sagen: Prostitution ist einfach ehrlicher. Ohne Geld müsste man sich in der Disco oder an der Bar anbaggern lassen und sich langwierig kennen lernen. Der Mann fängt dann an, von Gefühlen zu reden, bis man im Bett gelandet ist, und am nächsten Morgen sind die Gefühle plötzlich verschwunden. All das bleibt einer Frau durch die Prostitution erspart.
• Manche nehmen das Geld nur, weil sie schön blöd wären, darauf zu verzichten, wenn die Männer doch bereit sind, so viel Geld zu bezahlen.
Und wofür bezahlen Männer?
• Manche denken wie die Frauen: als Vergütung für die Dienstleistung bzw. den Zeitaufwand.
• Manche betrachten das Geld als Belohnung dafür, dass eine Frau sich mit ihnen trifft, obwohl sie einen ganz anderen Geschmack hat.
• Manche bezahlen einfach dafür, dass sie nach dem Treffen ohne Herzschmerz oder Reue “tschüss” sagen können.

Prostitution mit und ohne Scheuklappen
Mit Scheuklappen hat man nur einen begrenzten Blickwinkel. Wenn dann auch noch verbissenes Schwarzweißdenken hinzu kommt, bildet man sich ein, seine Beobachtungen verallgemeinern zu können. Die folgende Gegenüberstellung soll nicht als “falsch – richtig” verstanden werden: die Aussagen in der linken Spalte sind auf jeden Fall zutreffend, aber eben nur teilweise und nicht allgemeingültig, sie werden durch die rechte Spalte nicht negiert, sondern ergänzt.

Die Welt von Huschke MauDie Welt jenseits der Scheuklappen
Prostitution ist Gewalt gegen Frauen, weil Sexarbeiterinnen Sex nur erdulden, weil sie das Geld brauchen.Viele Sexarbeiterinnen brauchen das Geld überhaupt nicht, es bildet nur eine willkommene Zusatzeinnahme. Außerdem gibt es auch u.a. Frauen, die Männer für Sex bezahlen.
Alle Freier verachten die Prostituierten.Freier respektieren und verehren die Sexarbeiterinnen, die ihnen wunderbare Stunden der Zweisamkeit und des sexuellen Austausches bereiten.
Alle Freier kaufen Frauen.Völlig falsch, denn ein Kauf führt zu einem dauerhaften Besitz. Das Geld fließt aus anderen Gründen (s.o.).
Frauen sind keine Ware!Niemand hat je behauptet, Frauen seien Ware.
Allen Männern ist es egal, ob die Frau ihren Job gern macht.Männer wissen, dass es sinnlos ist, Fragen zu stellen, wo die Antwort auf jeden Fall “ja” lautet, egal ob es wahr oder gelogen ist.
Alle Prostituierten würden durch das Nordische Modell aus ihrer Sklaverei befreit.Die meisten Sexarbeiterinnen würden durch das Nordische Modell entmündigt und gegängelt.

Das Nordische Modell und seine Folgen
Abolitionistinnen belegen gern den Erfolg des Nordischen Modells mit dem Rückgang der Prostitution in Schweden. Wie weit es sich bei diesem Rückgang aber in Wirklichkeit um Verdrängung handelt, weiß niemand. Zumindest ist eine Tatsache kein Geheimnis: dass die Männer aus Südschweden (z.B. Malmö) sich jetzt nebenan in Kopenhagen vergnügen. Als Folge davon wird diskutiert, ob schwedische Männer sogar dann bestraft werden sollen, wenn ihnen der Kauf von sexuellen Handlungen im Ausland nachgewiesen wird. Wie weit diese Idee überhaupt realisiert werden kann und durch welche Art von Totalüberwachung, soll hier nicht weiter diskutiert werden.
Es dürfte klar sein, dass eine Einführung des Nordischen Modell in Deutschland den wirklich Leidtragenden kaum helfen würde: die echten Zwangsprostituierten würden von ihren Zuhältern einfach in ein anderes Land verschoben und müssten dort weiter arbeiten.
Die Männer, die auf dem privaten Sektor aufgrund respektvollen Verhaltens auf Augenhöhe von den jeweiligen Sexarbeiterinnen in den Kreis ihrer Stammkunden aufgenommen wurden, würden auch zukünftig von diesen zu Hause besucht werden – genau so heimlich und diskret wie bisher.
Durch die Nachfrage der übrigen Männer würde ein beachtlicher Sextourismus entstehen: nach Amsterdam, Kopenhagen, Stettin, Slubice, Liberec, Komotau, Eger etc.
Den größten Nachteil aber hätten die Scharen von freiwilligen und selbstbestimmten deutschen Sexarbeiterinnen, die durch das Nordische Modell “zwangsbeglückt” würden. All die vielen heimlichen Hobbysexworkerinnen können sich ja nicht plötzlich outen, um die versprochenen “Ausstiegshilfen” zu beantragen. Ein Beispiel von vielen: eine junge Dame arbeitet als Altenpflegerin, das Geld reicht kaum für ein normales Leben. Sie besitzt ein Pferd, dessen Unterhalt kostet etwa 400 Euro pro Monat. Diese Summe verdient sie sich mit ein paar Stunden Sex, den sie auf einer Internetseite anbietet. Das Nordische Modell würde sie zwingen, ihr geliebtes Pferd zu verkaufen.
Die Domina-Studios müssten schließen wie die Massagesalons, alle würden arbeitslos vom High Class Escort bis zur Sexualbegleiter*in. Das dürfte von den Abolitionistinnen jedoch unter “Kollateralschaden” verbucht werden – Hauptsache, die verhassten bösen Freier haben eins auf den Deckel bekommen.
Und all diese Arbeitslosigkeit soll durch “Ausstiegshilfen” abgefedert werden? Aus Frankreich ist bekannt, dass diese Hilfen nach Einführung des Nordischen Modells 2016 vorn und hinten nicht reichen. Wie viele Sexworkerinnen vom Drogenstrich haben sich gemeldet, wie viele bekommen eine staatlich geförderte Entwöhnungstherapie, wie viele finanzieren ihre Sucht auf anderen Wegen?
Im Moment zumindest dürfte das Nordische Modell zum Fiasko werden, denn infolge der Corona-Pandemie hat der Staat einen so hohen Schuldenberg aufgebaut, dass eine Finanzierung der “Ausstiegshilfen” kaum möglich sein dürfte oder so halbherzig und unvollkommen ausfallen würde wie in Frankreich.
Bleibt also zu hoffen, dass die Sexarbeiterinnen so laut werden, dass sie ein wahrnehmbares Gegengewicht zu den Abolitionistinnen bilden können. Notfalls muss das Recht auf Selbstbestimmung und freie Berufswahl vom Bundesverfassungsgericht bestätigt werden.

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